Initiative für kostenlose Notschlafplätze

INKONO

Offener Brief an Sozialstadträtin Sonja Wehsely

leave a comment »

Nachdem es keine/r der Verantwortlichen der Mühe Wert gefunden hat, auf unsere Argumente und Kritikpunkte einzugehen, haben wir uns dazu entschlossen einen offenen Brief an Sozialstadträtin Sonja Wehsely zu adressieren. Der Brief wurde an alle österreichischen Medien, ebenso wie an die Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe, sowie an andere relevante sozialen Institutionen, politische Parteien und Initiativen weitergeleitet.

Sehr geehrte Frau Stadträtin Wehsely!

Innerhalb weniger Tage haben mehr als 1.000 Personen unsere Initiative für kostenlose Notschlafplätze (https://wohnungslos.wordpress.com) unterstützt und richten mit uns die Forderung an Sie, die geplante Einführung einer Nächtigungsgebühr sofort zurückzunehmen.

Wir sind enttäuscht über die Beharrlichkeit, mit der Sie und Ihre ParteikollegInnen die fachlichen Argumente von ExpertInnen gegen die geplante Maßnahme ignorieren und in Ihren Wortmeldungen zur Causa auf keinen, der von uns ins Treffen geführten, Kritikpunkte eingehen.

Wir können nicht akzeptieren, dass in Wien von einer sozialdemokratischen Stadträtin, die von sich selbst behauptet, dass „das Streben nach Solidarität, Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung die bestimmende Kraft“ ihrer Arbeit sei, sozialer Verantwortungslosigkeit und Kälte Vorschub geleistet wird.

Aus diesem Grund weisen wir erneut mit Nachdruck auf unsere bereits formulieren Bedenken hin. Wir fordern Sie auf, folgende Fragen nicht mit den immer gleichen Phrasen zu beantworten, sondern mit der – ihrem Amt und ihren persönlichen Werten – angemessenen Sachlichkeit und Ernsthaftigkeit:

  1. Wie entkräften Sie die Befürchtungen der ExpertInnen aus der Wiener Wohnungslosenhilfe, die aufgrund ihrer fachlichen Expertise und Erfahrung davon ausgehen, dass die finanziellen und bürokratischen Hürden zahlreiche Menschen vom Hilfssystem der Nachtnotquartiere ausschließen werden und sozialarbeiterische Unterstützung für wohnungslose Menschen massiv erschwert wird?
  2. Warum argumentieren Sie die Einführung eines Kostenbeitrages für Notschlafplätze beharrlich mit dem inkludierten Wohnkostenanteil in der Mindestsicherung, obwohl Sie wissen, dass es sich bei der Übernachtung in einem Nachtnotquartier definitiv nicht um Wohnen handelt, da:
    – Die Unterkünfte erst am Abend betreten werden dürfen und bei Tagesbeginn verlassen werden müssen;
    – Die wohnungslosen Menschen fast ausschließlich in Mehrbettzimmern übernachten und es nur Gemeinschaftssanitäranlagen gibt;
    – Privatsphäre nicht gegeben ist?
  3. Wie sollen Wohnungslose bestehende Schulden (v.a. bei Wiener Wohnen) begleichen und für Kaution/Provision Geld ansparen, wenn sie ihren „Wohnkostenanteil“ für die Notnächtigung bezahlen müssen?
  4. Welche sozialplanerischen Berechnungen wurden angestellt, um die sozialarbeiterische Mehrarbeit für Abklärung und Aufklärung der KlientInnen sowie die administrativen, bürokratischen und infrastrukturellen Kosten für die Abwicklung der Einhebung des „Kostenbeitrages“ den zu erwartenden „Folgekosten“ (v.a. im Gesundheitsbereich) gegenüberzustellen und wie sehen die Ergebnisse aus?

In Erwartung Ihrer Antworten,  Initiative für kostenlose Notschlafplätze (INKONO)

Advertisements

Written by wohnungslos

September 27, 2010 um 9:19 am

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: